Die Bohne rechnet sich

Ulrich Rauth hat gute Erfahrungen mit Ackerbohnen gemacht und gibt sie gerne weiter. Im Interview sagt er, warum.

2013 haben Sie Sommer-Ackerbohnen in die Fruchtfolge aufgenommen. Wie kamen Sie auf die Bohne?
Ich wollte mein bestehendes Ackerbausystem weiterentwickeln und optimieren, um es so an die Standortbedingungen, die sich durch den Klimawandel allmählich ändern, besser anzupassen. Gleichzeitig wollte ich das System auch stabiler und nachhaltiger gestalten, um so den aus meiner Sicht zurzeit bestmöglichen Kompromiss aus Ökonomie und Ökologie für unseren Betrieb zu finden. Natürlich ist dies ein Prozess, der nie ganz abgeschlossen ist.

Mein altes Ackerbausystem bestand aus einer klassischen dreigliedrigen Rapsfruchtfolge (Winterraps, Winterweizen und anfänglich noch Wintergerste) mit einer relativ intensiven Bodenbearbeitung (Grubber und Kreiselegge), wäre mittelfristig nur noch durch mehr Input an Betriebsmittel aufrecht zu erhalten gewesen. Langfristig hätte das zu massiven phytosanitären Problemen insbesondere beim Rapsanbau geführt, mit der Konsequenz, dass der Anbau der einzigen Blattfrucht nicht mehr möglich gewesen wäre. Der Anbau von ausschließlich Wintergetreide ohne weitere Anpassung, wie z. B. Maisanbau, hätte unweigerlich zu einer Verungrasung der Flächen und der daraus wiederum resultierenden Problemen mit Ackerfuchsschwanz geführt.

Wie rechnen sich die Ackerbohnen wirtschaftlich?
Seit dem Jahr 2013 baue ich auf 20 Prozent der Ackerfläche Sommer-Ackerbohnen an, ausschließlich zur Saatgutvermehrung. Wenn das Erntegut anschließend von der aufnehmenden Hand weiter zu Z-Saatgut verarbeitet wird, ist der Aufwand entsprechend höher und die Produktion wesentlich anspruchsvoller. Auch die Logistik bei der Ernte und der Abtransport zum aufbereitenden Unternehmen müssen im Vorfeld detailliert geklärt sein. Die Ernte der Ackerbohne erfolgt unter normalen Bedingungen zwar später als die meisten anderen Mähdruschfrüchten, aber das Zeitfenster für die Ernte ist bei grobkörnigen Leguminosen generell wesentlich kleiner als bei Getreide. Dies gilt im besonderen Maße für Ware zur Saatguterzeugung.

Bei einer einfachen Deckungsbeitrags-Rechnung, in der man Sommerackerbohnen aus dem Vermehrungsanbau mit den anderen im Betrieb angebauten Kulturen (diese allerdings zu Konsumzwecken mit entsprechend geringerer Marktleistung) vergleichen würde, käme diese Reihenfolge heraus: Sommerackerbohnen, Winterraps, Winterweizen, Sommergerste. Diese rein abstrakt nach Zahlen und nach Wirtschaftlichkeit geordnete Aufstellung ist allerdings nicht ganz fair, weil Saatgutware eine höhere Marktleistung als Konsumware hat.

Eine isolierte Betrachtung von Ackerbohnen anhand einer Deckungsbeitrags-Rechnung ist allerdings nicht sinnvoll. Für die Beurteilung müssen unbedingt alle weiteren Einflüsse und positiven Effekte wie beispielsweise der Vorfruchtwert, Einsparungen bei der Bodenbearbeitung der Folgefrucht und Humusaufbau mit berücksichtigt werden.

Natürlich schwanken die Erträge auch. Im extrem trockenen Jahr 2015 fielen die Erträge auf unserem eher leichten Standort sehr bescheiden aus. Auf einem solchen Standort muss das gesamte Produktionsverfahren und die entsprechende Produktionstechnik sehr wassersparend in Bezug auf die Bodenbearbeitung ausgerichtet sein.

Die unter dem wirtschaftlichen Aspekt zur Zeit tragenden Kulturen Winterweizen und Winterraps wollte ich unbedingt mit einem möglichst hohen Anteil in der Fruchtfolge erhalten, gleichzeitig die Bodenbearbeitung soweit es geht reduzieren und den Humusaufbau auf das maximal mögliche Maß steigern. Die logische Konsequenz daraus ist eine standortangepasste Direktsaatfruchtfolge mit stetigem Wechsel von Blatt- und Halmfrüchten, Sommerungen und Winterungen. Vor einer Sommerung wird immer eine abfrierende Zwischenfruchtmischung angebaut.

Wenn man dabei gleichzeitig den Betriebsmittelinput an N-Dünger reduzieren will und immer die ideale Vorfrucht für den Winterweizen haben möchte, gelingt das am besten unter Einbeziehung von Leguminosen. Zu den Grobleguminosen mit der höchsten N-Bindungsleistung gehören Ackerbohnen und Erbsen. Erbsen sind zwar besser geeignet für unsere leichten Böden. Aber bei den zum größten Teil steinigen Böden gestaltet sich die Ernte als sehr schwierig. Deshalb kommen auf unserem Betrieb nur Sommerackerbohnen infrage. Weil wir ein reiner Ackerbaubetrieb ohne Viehhaltung sind, haben wir uns für den Vermehrungsanbau zur Saatguterzeugung entschieden. Die im Betrieb praktizierte Fruchtfolge können Interessierte in den Betriebsdaten nachlesen.

Sie berichten im Netzwerk DemoNetErBo als Blogger fortlaufend über den Anbau von Sommerackerbohnen über die gesamte Vegetationsperiode hinweg. Was motiviert Sie im Netzwerk Mitglied zu sein?
Das Interesse und die Motivation daran sind sehr vielschichtig. Zum einen halte ich das Format der Anbaubeschreibung von Kulturpflanzen in Wort und Bild über die gesamte Vegetationsperiode generell für eine sehr gute und sehr praxisorientierte Möglichkeit, detailliert Informationen an interessierte Berufskollegen weiterzugeben. Ich möchte damit Berufskollegen für den Anbau von Sommerackerbohnen sensibilisieren und motivieren. Manchen kann ich vielleicht so den Anstoß geben, über den Anbau von Leguminosen nachzudenken und zu überlegen, welche positiven Effekte dies auch in ihrem eigenen System hätte.
Denn erst bei einem langfristig höheren Flächenanteil von Ackerbohnen gemessen an der gesamten Ackerfläche wird das Interesse der Pflanzenzüchtung, der aufnehmenden Hand und der Industrie wirklich geweckt werden.

Was sind in Ihren Augen die größten Chancen im Anbau der Ackerbohne?
Durch den Anbau von Ackerbohnen lassen sich Ackerbausysteme nachhaltiger gestalten. Bei einem geeigneten Anteil in der Fruchtfolge (alle fünf Jahre) tragen die Bohnen zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit bei. Die weitere Ausdehnung der Anbaufläche von Ackerbohnen auf den dafür geeigneten Standorten könnte einen großen Beitrag zur Eigenversorgung mit pflanzlichen Proteinen leisten und so die Abhängigkeit von Importware verringern, auch wenn man deshalb nicht ganz auf Soja als Futtermittel verzichten kann. Die Sojapflanze liefert ein sehr hochwertiges Eiweiß, passt aber nicht zum hiesigen Boden und Klima, der Anbau wäre also weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll in unserer Region.
Zudem hilft der Anbau von Körnerleguminosen, Ungräser und Ackerfuchsschwanz in Schach zu halten.
Die Ackerbohne kann die Biodiversität in Agrarökosystemen steigern, indem Fressfeinde von Schädlingen gefördert werden.
Durch die N-Bindung von Luftstickstoff über die Knöllchenbakterien der Pflanzenwurzeln kann die mineralische N-Düngung weiter reduziert werden.
Nach dem Anbau von Ackerbohnen ist eine Nährstoffkonservierung über Zwischenfrüchte oder als Zwischenbegrünung (auch bei nachfolgendem Anbau von Winterweizen) sehr gut möglich.
Eine spätere Ernte der Ackerbohnen macht eine bessere Mähdrescher-Auslastung möglich. Auch im Frühjahr entzerren die Körnerleguminosen Arbeitsspitzen im Getreideanbau.

Was sind die größten Stolpersteine?
Ackerbohnen sind bei weitem noch nicht ausreichend züchterisch bearbeitet. Die Wachstumsabschnitte verlaufen noch sehr fließend ineinander, verbunden mit einer sehr langen Blühphase der Pflanze. Auch bezüglich der Wuchslänge sowie der Pflanzenarchitektur, der Mähdruscheignung und der Trockenstresstoleranz besteht noch ein hoher Bedarf an züchterischer Weiterentwicklung. Nicht nur im Hinblick auf agronomische Eigenschaften, sondern auch in Bezug auf die sich allmählich ändernden klimatischen Bedingungen mit milden Wintern und zunehmenden Wetterextremen, muss hier sicherlich noch vieles getan werden.
Das Jahr 2016 hat in vielen Regionen gezeigt, was Viren bei Ackerbohnen anrichten können. Eine Flächenausdehnung könnte das Problem mit Virosen und Pflanzenkrankheiten in Zukunft noch verschärfen, wenn nicht parallel dazu intensiv an Lösungsmöglichkeiten gearbeitet und geforscht wird.
Auch Schädlinge wie beispielsweise der Ackerbohnenkäfer (Bruchus rufimanus) könnten sich bei einem höheren Flächenanteil an Ackerbohnen eventuell stärker ausbreiten und gegebenenfalls zu einem ernsthaften Problem werden.